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Werbefrei durch die Öffentlichkeit. Folge den Zeichen und Symbolen der Gewinner*innen des diesjährigen Reclaim Awards und werde Zeuge der visuellen Vielfalt und inhaltlichen Differenz der ausgezeichneten Arbeiten. Kunst von A-Y.

A Adam Geary House washed up on beach

Adam Gearys Arbeit House washed up on beach zeigt die in Plastik gegossene Idealvorstellung einer eigenen Behausung. Angespült an der Küste, wird das Haus im Kinderformat auf seinem Foto jedoch zum Mahnmal unserer Dingwelt getriebenen, durchformatierten Erlebniswelt. Das Meer scheint auch nicht Willens zu sein, unseren Zivilisationsmüll bei sich halten zu wollen.

B Aaron Yeandle A Brief Encounter / Image 1

Das Foto von Aaron Yeandle A Brief Encounter / Image 1 wurde im Rahmen des Photo-Canopy Arts Residence Programms aufgenommen. Sein Bild steht symbolisch für kurze flüchtige Begegnungen, die uns, so wir dieser gewahr werden, dazu verleiten, den Alltag und die Welt um uns herum anders wahrzunehmen. Sie fordern uns zu Reflexionspausen auf und legen den Fokus bisweilen auf Orte, die sich ansonsten unserer Aufmerksamkeit entzogen hätten.

C Simon Freund Selbstportrait, 2018

Selbstportrait ist eine Fotoserie, die Simon Freund in den Outfits anderer Menschen und diese Menschen in ein und demselben Outfit Freunds zeigt. Er hinterfragt damit unser Verlangen nach Selbstdarstellung. Wie sind wir wer und wo sind wir der. Unsere Sehnsucht nach Zugehörigkeit gerät in Spannung mit dem Streben nach Individualität. Die Bühne unserer Selbstdarstellung erhält im Digitalen einen doppelten Boden. Gesichert ist dieser nicht. Fake oder real, Freunds Arbeit setzt Zeichen für, mit und gegen kulturelle Codes.

D Nanni Schiffl-Deiler Remember Me my Dear

Nanni Schiffl-Deilers fotografische Arbeit Remember Me my Dear erzählt von Natur und Resonanz. An den Ort des Entstehens zurückgebracht, erzeugt sie mit ihrem Bild ein visuelles Echo. Ort und Abbild treten in Korrespondenz. Schwarz-weiß trifft auf Farbe, trifft auf Licht, trifft auf die Veränderung des Ortes. Mit diesem eingreifenden Gestaltungsakt verwandelt sie den Naturraum temporär in eine sich selbst befragende Kulturlandschaft.

E Judith Kaminiski Range (rearranged)

In ihrer künstlerischen Arbeit Range (rearranged) untersucht Judith Kaminski Verhältnisse zwischen digitaler und analoger Bildgenese. Einige Bilder werden mithilfe von 3D-Programmen computergeneriert und treffen als digitaler Druck auf Malerei. Das tradierte Motiv des Blumenstilllebens wird immer wieder durchgespielt und bildnerisch befragt. Spontane malerische Geste trifft auf präzise computergenerierte Elemente, wodurch analoge und digitale Bildgenese plakativ gegenüber gestellt werden.

F Boris Loder Aéroport de Luxembourg

Diese Fotografie aus der Serie Particles zeigt Fundstücke aus der Tiefgarage des Luxemburger Flughafens. Die Serie ist die fotografische Umsetzung der Vorstellung von Identität als Container, der sich im Laufe der Zeit mit unterschiedlichen, teils widersprüchlichen Inhalten füllt. Die Würfel enthalten Fundstücke, die den Charakter verschiedener Orte in Luxemburg in komprimierter Form wiedergeben. Die Form des Würfels veranschaulicht den Zufallscharakter seiner aggregierten Fundstücke symbolisch und verweist auch auf die komplexen und unvorhersehbaren Strukturen von Identität.

G Tom Atwood Doug Spearman & Marc Samuel

Dieses Portrait der Schauspieler Doug Spearman & Marc Samuel ist Teil von Tom Atwoods renommierter Fotoserie und seinem Buch Kings & Queens In Their Castles (kürzlich bei Damiani veröffentlicht). Die Arbeit wurde als die ehrgeizigste Fotoserie bezeichnet, die jemals über die LGBTQ-Erfahrung in den USA durchgeführt wurde. Über 15 Jahre lang fotografierte Atwood mehr als 350 Motive im Inland, darunter fast 100 Prominente. Mit Personen aus 30 Bundesstaaten bietet Atwood einen Einblick in das Leben und die Häuser einiger der faszinierendsten und exzentrischsten Persönlichkeiten Amerikas.

H Michael Danner Migration as Avantgarde

In Migration as Avantgarde untersucht Michael Danner die neuen Wege, auf denen Migranten ihre Hoffnung auf ein besseres Leben verfolgen. In seinem Buchprojekt vereint er unzählige Perspektiven dieses Phänomens. Danner macht die Akteure sichtbar, die Migration konstituieren und in unterschiedlicher Weise erfassend, verhindernd, kanalisierend oder humanisierend beeinflussen. Sein ausgewähltes Motiv ist Teil dieser komplexen Erzählung.

I Regina Tremmel Das Gedeck

Die Arbeit Das Gedeck von Regina Tremmel ist ein Tableau aus der mehrteiligen Fotoserie Ordnung muss sein. Entstanden ist ihre Serie bei einem Aufenthalt in einer Rehaklinik im Frühsommer 2019. Tremmel zeigt die verschiedenen Frühstücksteller, die den Patienten morgens gereicht werden. Nach welchem System, in welcher Logik erschließen sich die Teller? Zufällig, therapeutisch ausbalanciert, oder einfach nur nach gutem Geschmack? Optisch lässt sich das nicht unterscheiden. Geschmacklich hoffentlich schon. Guten Appetit!

J Vaughan Larsen Self Portrait as my Mother as a Cheerleader, 2018

Der Titel seiner Arbeit Self Portrait as my Mother as a Cheerleader ist bei Vaughan Larsen Programm. Er setzt sich in Erlebenszusammenhänge seiner Familienmitglieder und inszeniert deren Erfahrungen, an denen er rollenbedingt nicht teilnehmen kann, nach. Diese Reenactments problematisieren die genderspezifischen Rollenzuschreibungen und den damit verbundenen Erfahrungsausschluss. Diesen Identitätsvorbehalt gestaltet Larsen in seinen Bildern bewusst negativ, indem er seinen Kopf und Körper im Kostüm der Cheerleaderin zum Ziel eines unvorhergesehen Rugbytreffers macht.

K Anke Stiller Ohne Titel II-I

Anke Stiller zeigt in ihrer Fotoarbeit Ohne Titel II-I ein spezielles Detail eines ehemaligen Werbeplakates im Stadtraum. Den Zacken eines Sternes, wie er des Öfteren in der Werbung genutzt wird, funktioniert für Stiller als eine Art Quintessenz bzw. Superzeichen. Ihr Blick konzentriert sich dabei auf den repräsentativen, typisierenden Gehalt dieser Plakate, deren Bildmotive uns täglich im Stadtraum unterbewusst überfluten. Nachgebaut und erneut im Stadtraum auf einer Plakatwand ausgestellt – als Werbung ohne Werbung – wirkt es absurd und entlarvt so die Bildstrategien seiner Vorbilder.

L Alan Gignoux Dinasour Park, Niagara Falls, Ontario

Die Fotografie Alan Gignoux’ ist Teil des Projektes Human Accumulations. In seinem Projekt untersucht Gignoux das Fahrwasser der Faszination für einzigartige Naturschauspiele. Einmal in den Abwärtsstrudel der Öffentlichkeit geraten, droht deren Ausbeutung und deren Umgebungskommerzialisierung. Am Beispiel der Niagarafälle dokumentiert er die Verwandlung der umliegenden unberührten Landschaft zu privatisierten Vergnügungsparks und offenbart damit gleichzeitig den Fall eines amerikanischen Symbols, das für die Großartigkeit und Erhabenheit unberührter amerikanischer Natur stand.

M Ness Rubey Tension

Der Tanz zweier Folien im rot durchtränkten Licht. Künstliche Körper, die doch menschlich scheinen. Im Hintergrund ein Hochspannungsmast. In der Arbeit Tension von Ness Rubey flimmert und flirrt es. Die zwei Folien scheinen sich selbstvergessen umeinander zu drehen. Elektrifiziert, vor der Kulisse des Nachthimmels, laden sie sich scheinbar immer weiter aneinander auf, um doch auf Distanz zu bleiben.

N Sung Ho Woo Links: Any.. Minjung / rechts: Any.. Damian

Sung Ho Woo hat dutzende Profilbilder von verschiedenen Social-Media-Kanälen auf namensgleiche Profile durchsucht. Seine Fundstücke, Bilder von Menschen aus unterschiedlichen Religionen, Ethnien und Ländern archiviert er alle in einer Bilddatei, indem er sie schichtet und mittels Transparenz wieder zu einem Portrait verdichtet. Das entstehende Bild wirkt in gewisser Weise als Stellvertreter für alle Damians und Minjungs dieser Welt.

O Christina Marie Pietsch Play Safe

In der Serie Play von Christina Marie Pietsch aus dem Jahr 2018 wird das Format von 35 mm Patronen, mit den Maßen 4 cm × 22 cm, welches ein gängiges Format für Kampfmittel der US amerikanischen Armee ist, in ein anderes Narrativ übersetzt. Durch den Wechsel des Materials (ph-neutrales Silikon) und der Farbigkeit bekommen die Objekte eine vollkommen andere Anmutung und werden zum Gegenstand von Spekulationen. Grausamkeit und Spiel, Lust und Zerstörung. Zwei Wechsel im Register und schon ist alles möglich.

P Anica Hauswald Einhorn mit Senf

Sperrige Form, phantastischer Titel. Hauswalds minimal abstrakte Arbeit Einhorn mit Senf bewegt sich genau in diesem Spannungsfeld. Das Lesbare ist hier nicht das Eigentliche und das Sichtbare nicht das Vermutete. Aufwendig selbst geknüpftes Kunstfell wird mit Ölmalerei in strengen geometrischen Formen kombiniert und als Sujet zwischen den Genres präsentiert.

Q Dietmar Wehr HEAD_CC

Die Faszination des Menschen für sich selbst wird in Dietmar Wehrs Arbeit HEAD_CC sichtbar. Sein Gemüse-Still eines Knollensellerie verwandelt sich unwillkürlich im Auge des Betrachters in einen Kopf. Das Speicherorgan Knollensellerie, welches treffender Weise botanisch zu den Rüben gehört, ist geradezu prädestiniert für diesen Transformationsprozess. Im öffentlichen Raum auf einer Werbetafel gezeigt, spielt die Arbeit auf sehr ironische Weise mit der Idee, dass es sich sich um Product Placement handeln könnte.

R Anja Schlamann UnterBrücken

Die Serie UnterBrücken von Anja Schlamann zeigt die Untersichten der Kölner Flussüberführungen. Sie sind vom Wasser aus fotografiert und aus zum Teil 150 Einzelaufnahmen zusammengefügt. Diese grafisch konstruktiven und gleichzeitig flächig malerischen Bilder fügen sich in Ausschnitten zu einer Einheit – zu einer neuen Brücke. Der neuartige Blick unter die spannenden Ingenieurbauwerke überrascht. Ihre selten wahrgenommenen Stahlkonstruktionen werden auf diese Weise lesbar. Dass von der Lebendigkeit auf den Brücken an deren Unterseiten wenig zu sehen ist, steigert den Reiz der Bilder. Die 1929 festgelegte Farbigkeit verbindet sie zu einer Serie.

S Anna Siggelkow Platzhalter des Nichts

Anna Siggelkow entschlüsselt in ihrer Arbeit Platzhalter des Nichts gefundene Szenen und stellt sie in einen neuen Kontext. Sie zeigt eine abgeflachte Welt zwischen Figuration und Abstraktion. Auch wenn bestimmte Elemente der Szene von Natur aus pragmatisch und funktional sind, entwickeln sie in den Bildern eine merkwürdige, besondere Energie. Die banalen Objekte in den Settings scheinen in einem irgendwie wichtigen und andererseits absurden Spektakel eine Rolle zu spielen. Anna Siggelkow ironisiert die menschliche Anstrengung, allem eine klar definierte Funktion zuweisen zu wollen. Es ist eine manische Antwort auf eine kapitalistisch gestaltete Welt, die ein visuelles Spiel eines zielorientierten Lebensstils spielt.

T Thelma Pott Lotus Flower

Thelma Potts Arbeit Lotus Flower ist eine Untersuchung der räumlichen Phänomene in der Malerei. Einzelne Pinselstriche verdichten sich zu schwarzen, leicht erhabenen und transparenten Flächen auf rotem Grund. Die auf wenige Pinselstriche reduzierte Form fordert unwillkürlich zur Diskussion über Form und Inhalt auf und exponiert den Mut der Künstlerin, sich zu ihrer Form, zu ihren Farben und ihren Schichtungen zu bekennen. Den Raum zu suchen, der auch Öffentlichkeit bedeuten kann.

U Jooeun Bae I Wish I Could See You #13

Auf dem Rücken liegend und malerisch eingefangen, wirkt der gestürzte Kommerz beinah befreiungswürdig. In der Collage I Wish I Could See You #13 von Jooeun Bae wird der Ausschnitt eines kommerziellen Bildes seines Verwendungszweckes beraubt und in andere Zusammenhänge überführt. Dabei kommen unterschiedliche Techniken und Materialien zur Anwendung. Das entstehende Storytelling ihrer Arbeit entzieht sich bewusst der Eindeutigkeit, die dem eigentlich werblichen Zweck des entwendeten Bildes zu Grunde lag.

V Julie Hrudová Prague

Julie Hrudovás Streetphotography verhüllt Wesentliches und zeigt es zugleich. Die bauschige Wolke in den Straßen Prags wird in ihrem Bild zum Symbol für das Poetische. Flüchtig, einmalig und auf menschliche Dimensionen reduziert, schwirrt sie durch Zeit und Raum und verwandelt das profane Ereignis des Rauchens in eine kaurismäkihafte Inszenierung und die Umgebung zu der entsprechenden Kulisse.

W Antonia Gruber Artvertisting_2019_007

Antonia Gruber zerlegt in ihrer Arbeit Artvertisting_2019_007 die menschliche Physiognomie. Ein Angriff auf unsere Unversehrtheit. Der Mensch in einer Krise? Die prothetisch zusammengefügten Gesichtsteile eröffnen das Ganze und fordern den Betrachter zu genuinem Sehen auf. Der Shift im Gefüge erschwert der Wahrnehmung dem erzeugten Schwindel nachzuspüren und das Gezeigte auszudeuten. In der halluzinatorischen Farbigkeit des Werkes bleiben zusätzlich alle Determinanten flüchtig und der Zugriff auf das Bild bewusst beschränkt.

X Jana Sophie Nolle Living Room

Jana Sophie Nolle setzt sich in ihrer Fotoserie Living Room (2017/2018) mit den Formen menschlicher Unterkünfte auseinander. Ihr Schwerpunkt liegt in einer typologischen Darstellung von Obdachlosenunterkünften. Allerdings zeigt sie diese nicht an Ort und Stelle, sondern baut sie in ihrer ursprünglichen Form in Unterkünften wohlhabender Menschen wieder auf. Sie nähert sich diesen privaten Umgebungen mit besonderem Respekt und vereint diese sehr unterschiedlichen Unterkünfte in ihren Bildern auf würdevolle Weise. Ihre Arbeit verweist aber auch auf gesellschaftliche Phänomene wie Wohnungsnot, Ausgrenzung und Gentrifizierung.

Y Carla Åhlander Untitled (Berliner Meldestellen)

Carla Åhlander untersucht die Eigenschaften von Räumen, die innerhalb von Machtstrukturen zu wirksamen Kontroll- und Disziplinierungsinstanzen werden. Die anonymisierende Architektur solcher Räume und deren Versuch den Menschen zu reihen und zu ordnen, überführt ihn in die bürokratische Logik des zu verwaltenden Subjekts. Die unzähligen Geschichten der zu Erfassenden bilden sich in Åhlanders Bild als dunkler Humor des Faktischen, in Form schwarzer Flecken über roten Stühlen kennzeichnend ab.

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